Jule Böttner, Werkstadt - Berlin

#Beauty


*English version below*



Dies ist die zweite Ausstellung in unserer neuen, 1,5-jährigen Ausstellungsreihe. Unter Transfer verstehen wir Übersetzungen und Bewegungen, die eine konkrete oder abstrakte Grenze überwinden. Uns geht es dabei gerade darum, dass es keine Übertragungen gibt, die ein neutrales Gleichgewicht aufrechterhalten oder herstellen. Vielmehr geht jede Übertragung mit Spannung, Veränderung und Transformation einher.


TRIPLO, das sind die Künsterinnen Helena Hernández, Alejandra Baltazares & Vastiane Tamayo, die in ihrer Gruppenausstellung ein Projekt präsentieren, das von dem Hashtag #beauty auf der social media Plattform ‚instagram‘ inspiriert wurde. Ausgehend von der Rezeption der Postings entstanden je die künstlerischen Arbeiten.


Angelehnt an die Rezeption der geposteten Bilder entstehen neue Bilder, die Wiedererkennungs-Merkmale reproduzieren und doch im Detail eine neue Gestaltung, also immer auch Unterschiede zeigen. Dieses Prinzip von Transfer und Transformation wiederholt sich in den ästhetischen Spielen innerhalb der Ausstellungskomposition: Zwischen den Arbeiten der einzelnen Künstlerinnen sowie der Arbeiten insgesamt entsteht eine produktive Spannung, die die Rezipierenden zum genauen Hinsehen und zum Vergleichen animiert. Diese Bewegungen, die beim #beauty vor allem auch unter den Vorzeichen von Körperoptimierung, Mode und kosmetischen Konsumgütern stehen, gewinnen in der Ausstellung eine neue Richtung, die die Bilder, z.B. ihre Ausschnitthaftigkeit, ihre Komposition und ihre Konnotation, hinterfragt.


Was hier passiert, ist jedoch viel komplexer als eine schnelle Verurteilung der Dynamiken von Sichtbarkeit, (Körper-)Normen und Leerstellen. Vielmehr führen die Arbeiten einen experimentellen Umgang, wie teils bei instagram, im Rahmen von Skizze, Zeichnung, Malerei und Collage weiter und erzeugen so eine Entfremdung von den gewohnten Bildelementen.


Die Bewegung ist als ganze eine Meta-Bewegung: Künstlerinnen zeigen Frauenfiguren, die ich wiederum als inszenierte Figuren zeigen. Die Freiheit der Selbstinszenierung und verwirklichung wird durch scharfe Ironie an vielen Stellen kritisch befragt, ohne sie (nur) lächerlich zu machen.


Gerade durch die Differenzen in der Wiederholung und die Kommunikation zwischen den Bildern entsteht über den normativen vorher-nachher Effekt hinaus ein Netz von Verunsicherung und Kritik einerseits, aber auch von klugem Witz, Humor und Spiel andererseits. Der gestalterisch-aktive Zugriff wir hier als emanzipatorisches, subtiles Spiel dreier Künstlerinnen lebendig, das zum Weitermachen – ob online oder offline – einlädt!


EN




The artist collective TRIPLO by Helena Hernández, Alejandra Baltazares & Vastiane Tamayo presents the project #beauty inspired by the same hashtag on the social media platform instagram.


Based on the reception of the images on instagram, the artworks reproduce important features but at the same time invent new arrangements and details. This principle of transfer and transformation of the exhibition as a whole repeats within its composition and the aesthetic play of the artists: There are productive tensions within and between the artworks stimulating careful inspection and comparison. The very same movements which are often linked to topics such as body improvements, fashion and cosmetics on instagram are performed in new contexts within the exhibition: Recipients build up more critical attention for the focus, cut outs, composition and connotation of single images.


But what is happening is more than a simple rejection of the dynamics of visibility, (beauty/body)norms and gaps therein. Rather, an experimental engagement with images is picked up and interpreted in the context of visual arts, that is drawing, painting and collage, raising alienation from familiar elements.


The overall-movement of the female artists is a meta-movement: They show female subjects, who again show themselves as staged figures. Freedom of expression and self-staging is questioned by sharp irony without making it ridiculous as such.


It is through the differences in the process of repetition and through the communication between corresponding motifs that something builds up beyond normative pre-post comparisons: There is a complex mix of doubting and critique but also of jokes, humor and play. The crafting action and creative re-arrangement becomes virulent as a subtle and emancipatory action of three female artists which invites everybody to join in and continue – no matter whether online or off.


Jule Böttner

kunst@werkstadt.berlin

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